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Samstag, 29. Oktober 2011

Späte Einsicht

Als ich gestern zufällig zum Fernseher blickte, sah ich Mahmud Abbas, wie er gerade einem israelischen Sender ein Interview gab. Auf eine Nachfrage des Reporters bezüglich der arabischen Ablehnung des UN-Teilungsplans 1947 gestand Abbas tatsächlich ein: "Es war ein Fehler. Es war ein gemeinschaftlicher Fehler der Araber."

Eine beachtlich späte Einsicht, aber immerhin. Dass sie allerdings nichts zu bedeuten hat, zeigte bereits der nächste Satz: "Aber müssen sie uns für diesen Fehler 64 Jahre lang bestrafen?"

Ja, so sind sie, diese Juden. Verdammt nachtragend. Da macht man einmal einen Fehler, und die verzeihen einem nie. Wir Deutsche kennen das ja. Aber all die Probleme nur wegen eines Neins bei der UNO?

"Präsident" Abbas, vielleicht haben sie da den ein oder anderen weiteren Fehler der Araber innerhalb dieser 64 Jahre vergessen, z.B.
  • die Kleinigkeit mit dem erklärten Vernichtungskrieg 1948
  • die Tatsache, dass man sich dabei auf die gute Tradition des Großmuftis von Jerusalem und Hitler-Vertrauten Mohammed Amin al-Husseini berufen konnte
  • den Wirtschaftskrieg gegen Israel, der dem Krieg von 1948 folgte und der nicht selten nicht so recht unterscheiden wollte zwischen Israelis und Juden insgesamt
  • die damit verbundene Blockade israelischer Handelswege - zu Wasser und in der Luft - welche letztlich zwei weitere Kriege mit verursachte
  • die Versuche, die Wasser des Jordans so umzuleiten, dass Israel trocken gelegt wird, was wiederum beinahe einen Krieg auslöste
  • die Terroranschläge der Fedajin in den 50er Jahren
  • die Terroranschläge in den 60er Jahren
  • die stets wiederholten und auch offen verkündete Neins zur Anerkennung Israels, zu Verhandlungen und zum Frieden mit Israel
  • der Terror der PLO und ihrer Komplizen in den 70er Jahren, inklusive Flugzeugentführungen und Massaker an israelischen Olympioniken
  • die Errichtung eines PLO-Staates im Libanon, von dem in den 70er und frühen 80er Jahren nicht nur Terrorangriffe ausgingen, sondern aus dem ein regelrechter Kleinkrieg gegen den Norden Israels geführt wurde, was 1982 zum nächsten großen Krieg führte
  • die erste Intifada
  • die zweite Intifada
  • erwähnte ich das mit dem Terror schon?
  • das Abschießen tausender Raketen aus dem Gazastreifen auf israelische Städte in Grenznähe
Es ist wirklich kaum zu verstehen, wie dieses Volk einem einen einzelnen Faux Pas vor 64 Jahren derart lange nachtragen kann.


    Mittwoch, 26. Oktober 2011

    Du bist Israel

    Im Ausland bist Du Israel. Vertrete uns mit Würde.


    Das stand neben der Eingangstür zum Flugzeug von El Al. Man stelle sich vor, das stünde auf einer Lufthansa-Maschine. Ich möchte ja nicht unbedingt als Abgesandter Deutschlands betrachtet werden. Und noch weniger wünsche ich mir das von den deutschen Touristen, die im Sommer wie Heuschrecken über berüchtigte Strände auf berüchtigten Inseln herfallen. Mir fiel sogleich das Zitat von Kurt Tucholsky ein: „Als deutscher Tourist im Ausland steht man vor der Frage, ob man sich anständig benehmen muss oder ob schon deutsche Touristen dagewesen sind. 
    Andererseits können die Massen deutscher Urlauber in Frankreich sich während der letzten 60 Jahre nicht allzu schlimm aufgeführt haben, sonst hätte das mit der deutsch-französischen Freundschaft sicher nicht so prima funktioniert.

    Meinen ersten intensiven Kontakt mit Israel hatte ich diesmal bereits in Berlin und zwar in Gestalt eines Sicherheitsbeamten, der mich eine knappe Stunde ausgefragt hat. Obwohl es übertrieben lang gedauert hat, kann dieser junge Mann durchaus als guter Vertreter seines Landes bezeichnet werden. Er war ausgesprochen freundlich und interessierte sich so sehr für mein Dissertationsthema, dass er sogleich einen Kollegen herbeirief, der mir wiederum erfreut erzählte, er würde selbst gerade über ein ähnliches Thema forschen. Trotzdem musste ich danach noch meinen Laptop hochfahren, um zum Beweis meiner Behauptungen E-Mails des Militärarchivs zu präsentieren.

    Mein erster Kontakt innerhalb Israels zeigte sich wiederum weniger geeignet, sein Land zu präsentieren. Die Wohnung in Ramat Gan, die ich für eine horrende Summe gemietet habe, stellte sich als winziges Dreckloch heraus – mit einer nicht verschließbaren Tür zum knapp ein Quadratmeter großen Badezimmer, sprich: einem Klo mit einer Dusche drüber. Der Vermieter forderte mich sogleich auf, die Miete für den nächsten Monat im Voraus zu bezahlen und wirkte insgesamt ziemlich zwielichtig, um nicht zu sagen kriminell.
    Zum Glück gibt es Couchsurfing. Ich wurde noch am nächsten Tag von einer netten Familie in Ganei Tikva aufgenommen, konnte die Wohnung also fluchtartig verlassen und vorsichtshalber gleich die SIM-Karte wechseln, damit der Vermieter endlich aufhört, mich mit Anrufen wegen der Miete zu belästigen. Jetzt wohne ich also wieder in der gleichen Gegend wie beim letzten Mal. Die hat sich allerdings innerhalb eines Jahres gewaltig verändert. Aus dieser schönen Wiese (aka trockenes Brachland, wenn's nicht gerade geregnet hat)

    ist dies geworden:

    Das war auch noch nicht vorhanden, als ich letztes Mal hier war:

    Und wo in Israel Wohngebäude entstehen, sind Kindergärten nicht weit:

    Die gibt's hier überhaupt an jeder Ecke. Die Demonstranten, die es vor einigen Monaten bis in die Tagesschau geschafft haben, mögen ja Recht haben damit, dass sich eine normale Kleinfamilie keine Wohnung im Zentrum Tel Avivs leisten kann. Aber ist das in London, Paris oder New York anders? Wo Wohnraum knapp ist, steigen die Preise. Dafür bauen die Israelis im Umland wie die Wahnsinnigen. Also ab nach Kiryat Ono - ist ohnehin viel schöner.

    Montag, 6. Dezember 2010

    Die Kritikneurose

    Wenn es um Israel geht, muss man in Deutschland vorsichtig sein. So lautet das Credo nicht weniger „kritischer“ Artikel und Fernsehbeiträge, wenn in Israel mal wieder etwas im Argen liegt. Denn Israelkritik sei in Deutschland nicht einfach: Sofort werde mit der Antisemitismuskeule gewedelt. Und außerdem müsse man als Deutscher eine besondere Sensibilität und auch Solidarität gegenüber Israel zeigen – wegen der Vergangenheit und so. Dieses Argument wird nicht selten sogar unsinnigerweise von Politikern und Journalisten gebracht, die als Israelfreunde gelten.

    Mit der Realität hat diese leicht pathologische Selbstreflexion allerdings herzlich wenig zu tun. Das dürfte klar werden, wenn man sich die Berichterstattung in deutschen Medien zu einem beliebigen Thema mit Israelbezug ansieht. Oder die Umfragen, denen zufolge die Mehrheit der deutschen Bevölkerung Israel als größte Bedrohung des Weltfrieden ausgemacht hat. Oder die Tatsache, dass der deutsche Bundestag in einer historisch einzigartigen Geste der Geschlossenheit einstimmig die Aufhebung der Blockade Gazas forderte – von einer solchen Einstimmigkeit ist das Parlament ansonsten bei jedem anderen Thema, selbst wenn es um die schlimmsten Diktaturen und Terrorregime der Welt geht, meilenweit entfernt.

    Israelkritik wird immer, überall und permanent in diesem Land geübt. Das Wort allein sagt viel aus über das Verhältnis der Deutschen zum Judenstaat. Ein solches Kompositum gibt es in der deutschen Sprache für kein anderes Land auf der Welt. Eine Google-Suche nach „Irankritik“ liefert 1.670 Ergebnisse und die Nachfrage „Meinten Sie: Iran Kritik?“. In Deutschland herrscht kein Kritikverbot, wie es so oft herbeiphantasiert wird, sondern eine Kritikneurose, ein geradezu pathologischer Zwang zur Kritik an der einzigen Demokratie im Nahen Osten, deren Schwächen und Probleme uns offensichtlich weit stärker umtreiben als gehängte Schwule und gesteinigte Frauen im Iran, inhaftierte und abgeschobene Regimekritiker in Kuba, drangsalierte Minderheiten in China oder massakrierte Flüchtlinge im Sudan.

    Ein Paradebeispiel für diese Neurose bietet die „neutrale“ Berichterstattung der Tagesschau zu den verheerenden Waldbränden im Norden Israels, die bereits über 40 Menschenleben gefordert haben. Seit drei Tagen kann ARD-Korrespondent Oliver Mayer-Rüth in seinen Berichten über die Katastrophe sich partout nicht verkneifen, zynisch und arrogant darauf hinzuweisen, dass man ja eigentlich irgendwie selbst schuld sei. Zuerst hieß es unter Berufung auf israelische Kritiker, die weder in der Jerusalem Post, noch der Ha’aretz, noch der New York Times zu Wort kommen, dass bei der Feuerwehr zugunsten des Militärs gespart worden sei. In einem späteren Kommentar hat Herr Mayer-Rüth zwar offensichtlich begriffen, dass die Tagesschau sich nicht einfach Kritik ausdenken kann, die in Israel keine Rolle spielt. Aber ein Hinweis auf die Unfähigkeit der „Militärmacht“ bei der Katastrophenbekämpfung, der nichts bleibe als, „den Kameras die Jugendlichen vorzuführen, die das Feuer ausgelöst haben sollen“ (was in Deutschland bekanntlich unvorstellbar wäre) lag ihm offenbar am Herzen. Es stellt sich die Frage, warum diese Leidenschaft zur kritischen Berichterstattung selbst zu den unangemessensten Anlässen bei Erdbeben auf Haiti oder Überflutungen in Pakistan oder Ostereuropa größtenteils ausbleibt.

    Aber die Feuerwehr in Israel war doch tatsächlich unfähig, ohne Hilfe der Lage Herr zu werden. Wie ließe sich da positiver berichten? Eine Antwort auf diese Frage bietet die New York Times, die in ihren Artikeln zum Thema wiederholt darauf hinwies, dass Israel bei Umweltkatastrophen häufig zu den ersten Staaten gehört, die (vor allem medizinische) Hilfe schicken. Man könnte auch auf Netanyahus Versprechen hinweisen, eine eigene Fliegerstaffel zur Waldbrandbekämpfung auszubilden, die dann der ganzen Region inkl. der Westbank zu Verfügung gestellt werde. Sätze wie diese wären in der Tagesschau jedoch undenkbar, schließlich ist man zur Neutralität verpflichtet – oder dem, was Herr Mayer-Rüth darunter versteht.


    Nachtrag: Selbstverständlich ist es nicht nur Sache der Tagesschau, "kritisch" über einen Waldbrand zu berichten. Auch die SZ gesellt sich zur Reihe der Kommentatoren, die angesichts einer Naturkatatrophe nichts als Häme für die Betroffenen übrig haben. Kommentiert wurde der Kommentar hier bereits von SoE.

    Dienstag, 19. Januar 2010

    ZEITgemäße Logik: Wenn Abbas nicht will, muß man Netanjahu zwingen

    Wieder einmal wagt sich ein ZEIT-Kommentator hervor, um zu erklären, was im Nahen Osten eigentlich falsch läuft. Und wieder einmal steht fest: Wenn's im Friedensprozeß nicht vorangeht, ist Israel Schuld.

    Die Einseitigkeit beginnt schon im allerersten Satz: Da wird bemängelt, daß der Gaza-Krieg nichts gelöst und schon gar nicht den Frieden gebracht habe. Das ist unbestritten wahr, allerdings fragt sich, wie man sich das allen Ernstes überhaupt von einem Angriff auf den Gaza-Streifen erhoffen konnte bzw. ihm das gar nachträglich zur Aufgabe machen kann. Die Israelis haben jedenfalls Ende des letzten Jahres keinesfalls versprochen, mit ihrer Militäraktion den Frieden zu bringen. Die Ziele waren offen und klar: Abschreckung wiederherstellen, Bürger gegen Raketenangriffe verteidigen, Hamas vermöbeln. All das ist mehr oder weniger gelungen. Jetzt einen Artikel damit einzuleiten, der Krieg habe die Probleme mit den Palästinensern nicht gelöst, ist so als würde man die Vorstellung des neuen VW-Golf mit dem Satz einleiten: "Den Klimawandel hat der neue Golf bisher nicht aufgehalten". Ja, das stimmt, schön daß das angesprochen wurde.

    Im zweiten Satz geht's genauso deppert weiter. Netanjahus Regierung hat sich immer und bei jeder Gelegenheit zu Verhandlungen ohne jegliche Vorbedingungen bereit erklärt, sie hat den Siedlungsbau gestoppt nicht vollständig, das stimmt (zum Beispiel werden angefangene Bauprojekte fortgeführt, und Ostjerusalem wird ausgeklammert), aber immerhin doch umfangreicher als jemals irgendeine israelische Regierung zuvor, inkl. der famosen Friedensregierung Rabins, die die vielgerühmten "Fortschritte in den neunziger Jahren" in die Wege geleitet hat, und sie hat sich öffentlich und unwiderruflich zur Einrichtung eines Palästinenserstaates bekannt. Auch das sucht man in dieser Deutlichkeit bei früheren Regierungen vergebens. Auf der anderen Seite haben wir einen Palästinenserpräsidenten, der sich weigert, mit der israelischen Regierung auch nur zu reden, wenn diese nicht zuvor einen Haufen Bedingungen erfüllt. Auch das ist bisher beispiellos und dazu auch noch ziemlich absurd, denn eigentlich sollte das Ergebnis von Verhandlungen nicht zu deren Bedingung erklärt werden. Das ist nämlich nicht nur unfair, es macht die Verhandlungen auch ziemlich sinnlos.

    In diesem Zusammenhang erkennen zu wollen, Israel sehe die Palästinenser nicht als ernsthaften Verhandlungspartner an in einer Situation in der genau umgekehrt der Fall ist, daß die Palästinenser Israel in überhaupt gar keiner Weise als Verhandlungspartner (ob ernsthaft oder eher lustig) anerkennen, das deutet schon auf eine gewaltige Dosis Realitätsverlust hin und läßt insgesamt darauf schließen, daß der Autor seine Bewertungen nicht von tatsächlichen Handlungen und Äußerungen abhängig macht, sondern sich auf sein grundsätzliches (Vor-)Urteil beschränkt. Und danach ist Netanjahu nunmal ein ultrarechtsnationalkonservativer Hardliner. Daran könnte vermutlich selbst die bedingungslose Räumung ganz Jerusalems nichts ändern.

    Und nun stehen gedemütigte Palästinenser vor einem Scherbenhaufen. Das impliziert, daß da vorher etwas existiert hätte, das jetzt zertrümmert wurde. Ja, was denn? Lieber Herr Bertram, die Demütigung liegt mittlerweile über 60 Jahre zurück. Seitdem hat sich im großen und ganzen nicht allzu viel getan, was die nicht vorhandene Staatlichkeit Palästinas betrifft.
    Abbas wurde persönlich gedemütigt, soviel steht fest allerdings nicht von Israel, sondern von den Bekloppten der Hamas, die ihm Gaza wegrandaliert haben. Interessanterweise wird dieser Verlust von Territorium, das im übrigen wesentlich größer ist als das, was "intensiviert" raffgierigen jüdischen Siedlern während der letzten Jahre zum Opfer gefallen ist, nicht als "Landnahme" bezeichnet.

    Der Autor konstatiert: Die einzige Hoffnung für verbitterte Palästinenser wäre Druck auf Israel. Diese Schlußfolgerung ist so schön logisch, daß sie noch einmal wiederholt werden sollte: Abbas bewegt sich keinen Zentimeter; zumindest nicht nach vorn, denn mit seinen Vorbedingungen hat sich der palästinensische Standpunkt durchaus bewegt nur in die falsche Richtung. Wir haben seit Netanjahu die absurde Situation, daß eine Seite einseitig Konzessionen eingeht und noch dazu unaufgefordert ein umfangreiches wirtschaftliches Hilfsprogramm für die andere Seite durchführt, das dem Westjordanland in Zeiten der globalen Wirtschaftskriese ein Wirtschaftswachstum von sieben Prozent verschafft hat. Und auf der anderen Seite haben wir jemanden, der sich nicht nur nicht auf seinen von ihm nicht anerkannten Verhandlungspartner zubewegt, sondern im Gegenteil sich noch von ihm entfernt. Und Bertram ist der Meinung, man müsse jetzt Druck auf den Entgegenkommenden ausüben? Nach dieser Logik hätte er vermutlich auch 1938 von Chamberlain ein stärkeres Entgegenkommen erwartet und notfalls die USA aufgefordert, ein bißchen mehr Druck auf die Briten auszuüben. Klar, wer am lautesten schreit, hat recht.

    Aber schließlich sind Netanjahus Gesten am Ende nur Scheingesten (das zumindest lehrt uns Prof. Udo Steinbach, wie ich hoffentlich demnächst ausführen werde). Daher ist das Memorandum bestenfalls "löcherig". Außerdem werden Herrn Bertram persönlich neue illegale Siedlungen aus der Westbank gemeldet. Dies Netanjahu zum Vorwurf zu machen, ist natürlich völlig legitim. Ist ja auch normal, der Bundeskanzlerin vorzuwerfen, wenn ein Deutscher in Polen eine Bank ausraubt.

    Den Höhepunkt des Realitätsverlusts stellt jedoch die Behauptung dar, das Bekenntnis der Koalition zum jüdischen Staat Israel stütze die Hardliner in Israel, die den arabischen Israelis die Bürgerrechte entziehen wollen. Toll! Das muß man sich mal auf der Zungen zergehen lassen. Da phantasiert sich der Herr Bertram also eine erwähnenswerte politische Kraft in Israel herbei, die die arabischen Israelis entrechten will, phantasiert sich diese Phantasiekraft gleich noch in eine relevante politische Position und setzt dann noch die Phantasie oben drauf, daß diese Phantasiekraft mit phantastischem Einfluß auf die israelische Politik allen Ernstes etwas darauf gibt, daß Frau Merkel und Herr Westerwelle im Koalitionsvertrag der deutschen Regierung den Staat Israel als "jüdisch" bezeichnen als ob das bedeuten würde, daß Nichtjuden rausgeschmissen werden dürften. Nur wird Israel bereits in der Gründungsurkunde als jüdischer Staat bezeichnet - gleichzeitig wird allen nicht-jüdischen Bürgern volle Gleichheit in allen Belangen vor Recht und Gesetz zugesichert.

    Hui, da müssen Merkel und Westerwelle aufpassen. Hoffentlich hebt der deutsche Koalitionsvertrag nicht unversehens und arglos das wichtigste israelische Staatsdokument auf.

    Freitag, 28. August 2009

    Von gemäßigten Fundamentalisten und "großen Lücken"

    Ein Kommentar zum Nahost-Konflikt

    Es musste ja so kommen. Nachdem bereits seit Monaten in vielen Leitartikeln Verhandlungen mit sogenannten gemäßigten Taliban eingefordert werden, deren Mäßigung gegenüber ihren radikaleren Kollegen vor allem darin besteht, dass sie Schwule lieber hängen würden, statt sie zu steinigen, wird nun in der ZEIT vor den „wahren“ Fanatikern im Gazastreifen gewarnt. Die wiederum unterscheiden sich von der Hamas vor allem dadurch, dass sie im Gazastreifen ein islamisches Emirat ausriefen (ihre relative Mäßigung hat die Hamas am 15. August allerdings nicht davon abgehalten, Anhänger ihrer Rivalen zu exekutieren). Für Israel natürlich ein gravierender Unterschied, wenn man bedenkt, daß sich die Hamas eine solche Proklamation für die Zeit nach der Vernichtung Israels aufsparen will.

    Es ist immer das Gleiche: Sobald eine noch extremere Gruppe auftaucht, können sich die übrigen Fundamentalisten darauf verlassen, dass irgendein europäischer Federschwinger ihren Apologeten spielt und sie plötzlich für salonfähig erklärt.

    Nun sollen Israel und der Westen also endlich mit der Hamas über die Lösung des Nahostkonflikts verhandeln. Da diese Lösung in Anbetracht ihrer unmißverständlich antisemitischen Charta für die Hamas eigentlich nur aus der Vernichtung Israels und dem Hissen der Flagge des Islam über „jedem Zentimeter Palästinas“ bestehen kann, darf selbstverständlich der Hinweis darauf nicht fehlen, wie „vergilbt“ diese Charta von 1988 sei – so als seien ihre Aussagen mittlerweile längst in Wort und Tat preisgegeben worden.

    Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Die Anführer der Hamas lassen keine Gelegenheit aus, den Juden öffentlich ewige Feindschaft zu schwören. Über was also sollte Israel verhandeln? Über die Art der Vernichtung?

    Die Forderung nach Gesprächen mit der Hamas wird umso absurder, wenn man bedenkt, dass zur Zeit nicht einmal die Vertreter der „gemäßigten“ Fatah zu Verhandlungen bereit sind. Selbst die Partei des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas wollte es sich Anfang dieses Monats nicht nehmen lassen, auf ihrem Parteitag in Bethlehem nicht nur zu erklären, dass Israel ihren verstorbenen Führer Arafat ermordet habe, sondern auch dass man keinesfalls bereit sei, Israel anzuerkennen. Für Israel kam das kaum überraschend. Immerhin hatte ein Vertreter der Fatah bereits im März dieses Jahres die Hamas aufgefordert, Israels Existenzrecht niemals anzuerkennen.

    Man selbst sei als „gemäßigtere“ Partei schließlich auch nicht dazu bereit.

    Letztendlich bleibt das Ziel der großen palästinensischen Parteien die Befreiung – die „Befreiung“ Palästinas von den Juden. Das schreibt die Hamas in ihrer Charta, das verkündete die Fatah auf ihrem Parteitag. Und das zeigen auch die Friedensverhandlungen der letzten Jahre. Wenn in deutschen Zeitungen wieder und wieder darauf hingewiesen wird, dass es 2002 ein großzügiges, von der saudischen Regierung vorgelegtes, arabisches Angebot an Israel gegeben habe, das Frieden und eine vollständige Normalisierung anbiete, wird zumeist vergessen zu erwähnen, dass dieses Angebot Israels Hinnahme des uneingeschränkten Rückkehrrechts der palästinensischen „Flüchtlinge“ enthielt, was gleichbedeutend mit dem Untergang des jüdischen Staates Israel wäre.

    Trotzdem gingen die Verhandlungen weiter. 2008, während des Annapolis-Prozesses, bot der damalige israelische Premier, Ehud Olmert, den Palästinensern nicht nur beinahe 100 Prozent der Westbank sowie israelisches Territorium im Austausch für die größten jüdischen Siedlungen im Westjordanland, sondern zusätzlich noch die Unterstellung des „Holy Bassin“ (das Areal um die Altstadt, in dem die meisten heiligen Stätten wie der Tempelberg mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee liegen) von Jerusalem unter internationale Verwaltung sowie ein begrenztes humanitäres Rückkehrrecht für palästinensische Flüchtlinge. Abbas’ Antwort auf dieses umfangreiche Angebot war im Mai in der Washington Post nachzulesen: „The gaps were wide“

    The gaps were wide? Wenn zwischen dem Angebot der gesamten Westbank inkl. der Aufgabe israelischer Souveränität über Teile Jerusalems und den Forderungen der Palästinenser „weite Lücken“ liegen, stellt sich die Frage, wie diese Lücken überhaupt jemals zu füllen wären. Was sonst noch könnte Israel geben? Abbas’ „The gaps were wide“ als Reaktion zum großzügigsten denkbaren israelischen Angebot, einem Angebot, das weit über alles hinausging, was Natanjahu zu geben bereit wäre, macht die Verhandlungen mit der PLO zur Farce (so sie denn überhaupt stattfinden). Sie beweist, dass auf einer Seite des Verhandlungstischs tatsächlich niemand sitzt, mit dem ein realistischer Frieden, der nicht auf israelischer Selbstopferung beruht, zu erreichen wäre. Die palästinensische Führung hat wieder einmal bewiesen, dass sie keine Gelegenheit verpasst, eine Gelegenheit für den Frieden (und einen eigenen Staat) zu verpassen. Offensichtlich gilt das Prinzip alles oder nichts – und so bleibt es wie seit nunmehr über 60 Jahren, bei nichts.

    Ginge es den palästinensischen „Freiheitskämpfern“ tatsächlich um die Freiheit und Autonomie des eigenen statt um die (in der Hamas-Charta geforderte) Vernichtung eines anderen Volkes, dann würden sie statt jüdischen Kindern ihre eigenen Anführer in die Luft sprengen.